Mittwoch, 20. Mai 2015

PRODUKTIVITÄT AUF KNOPFDRUCK

Ich habe diesen Tag zum produktiven Tag erklärt. Nicht erst heute Morgen. Schon vor über einer Woche. Dieser Tag soll es werden, und es sollen ihm noch zahlreiche weitere folgen. Er sollte mit einer Yogastunde beginnen - Check. Dann ab ins St. Oberholz - Check. Und dann sprudeln Ideen aus mir heraus… Wir werden sehen.

Mir wurde gesagt, dass der Laden ein guter Platz zum Arbeiten ist, dass hier viele junge Leute mit Ihren Macs sitzen und produktiv sind. Alle Voraussetzungen sind gegeben - ich bin jung, ich habe einen Mac. Kann ja nichts mehr schief gehen.
Ich lebe schon seitdem ich denken kann in der Hauptstadt. Und ich arbeite schon seit vielen Jahren selbstständig, fahre mehrmals wöchentlich an diesem immer belebten und präsenten Cafe vorbei. Doch heute habe ich es tatsächlich zum ersten Mal betreten. Verrückt. An jedem freien Platz sieht man hinter den mit Äpfeln gebrandeten Laptopdeckeln versteckte Gesichter. Niemand scheint hier wegen dem gastronomischen Angebot zu sitzen. Alle arbeiten, telefonieren in deutsch oder englisch, führen angeregte Gespräche mit vor Ideen blitzenden Augen.

Ich bestelle mir einen Rote-Beete-Bananen-Smoothie und lasse mir ein mit Walnüssen dekoriertes Stück Bananenbrot über die Theke reichen. Auf der Suche nach einem Platz stiefel ich die Treppe ins Obergeschoss hoch. Doch leider auch hier mittags kein freier Platz zu finden ohne bei jemandem fast auf dem Schoss zu sitzen. Unten finde ich dann in einem loungeähnlichen Bereich ein Plätzchen mit tiefem Tisch. Voller Tatendrang zücke ich beinahe urzeitlich Block und Stift und beginne drauflos zu schreiben.
Schnell stelle ich fest, dass meine Aufmerksamkeit immer wieder weit über meinen Block hinweg irrt, sich Gesprächen anhaftet oder der Musik lauscht. Es herrscht reges Treiben, hinter der Bar, vor der Theke ein Kommen und Gehen. Und doch füllen sich die Blätter bei mir, wenn auch deutlich weniger koordiniert als in Stille.

Immer wieder lasse ich meinen Blick durch den Raum wandern, um einen Platz an einem höheren Tisch zu ergattern. Eine Stunde später habe ich Glück. Ein Fensterplatz auf einem Hocker wird frei. Das bunte Treiben nun hinter mir und vor der Scheibe flanierende Menschen und vollbefahrene Straßen.

Tatsächlich habe ich ein bisschen das Gefühl, als könnte dieser bienenstockartige Betrieb hier auf mich übergehen. So finde ich mich einige Minuten später wieder, wild tippend auf der Tastatur meines Laptops, hinter dessen mit einem Apfel gebrandeten Deckel mein Gesicht hervorlugt.

Montag, 13. Juni 2011

NICHT MEHR SO SCHWARZ



Wenn geliebte Menschen gehen, bleibt nichts als Trauer und Schmerz.
Innerhalb eines Augenblicks scheint die ganze Welt geschwärzt.

Obwohl wir alle wissen, das der Tod zum Leben gehört, haben wir das Gefühl, dass er das Glück auf Erden zerstört.

Wir können nicht fassen, dass ein Leben zu Ende geht, während die Welt sich einfach weiter dreht.

So krallt man sich an die Hoffnung, dass es für den Gegangenen das Beste war, er sich nicht mehr quält, der Tod die ersehnte Erlösung war.

Was bleibt, sind die Erinnerungen an eine gemeinsame schöne Zeit,
die nach und nach verblassen, bis nur noch ein Schatten davon bleibt.


Immer mal wieder überrascht uns dann die Trauer, bis sie hoch genug gebaut ist, die emotionale Mauer, die uns schützt vor Trauer und Schmerz, und die Welt nicht mehr vollständig sich schwärzt.
*lm

Freitag, 15. April 2011

AKTIE FREUNDSCHAFT

Es ist Frühling und Zeit für den Frühjahrsputz. In regelmäßigen Abständen sollte man dabei eine kleine Inventur seiner Habseligkeiten vornehmen und schauen, von welchem eingestaubten Teil man sich so langsam trennen sollte, um Platz und Kapazitäten zu schaffen.
Vermutlich steckt bei jedem in einem der hintersten Winkel des höchsten Schrankes etwas, dass seine Dienste zur Genüge getan hat. Vielleicht stellt man auch fest, dass man sich bei der Anschaffung dessen etwas ganz anderes erhofft hat.

Ich trenne mich nur sehr ungern und stets schweren Herzens. Doch ich erinnere mich an das besänftigende Hochgefühl anstelle von Verlustschmerz. Allerdings darf man um Himmels willen bloß nicht darüber nachdenken, was das einstmals gute Stück gekostet hat oder wie viel Aufwand man betrieben hat, um dessen Funktion zu erhalten. Das würde den Frühjahrsputz und das damit verbundene Platzschaffen ohne Zweifel aufhalten oder gar gefährden. Noch schwieriger dürfte solch ein Vorhaben fallen, wenn das vermeintlich einmalige und unersätzliche Etwas mit Emotionen und Erinnerungen behaftet ist. Erinnerungen an eine Zeit mit einem Menschen, der einst so viel für einen bedeutet hat. Einen Menschen, von dem man dachte, bis ans Ende seiner Tage Freud und Leid, Erfahrungen und persönliche Entwicklungsschritte zu teilen. Nein, das wird keine schnulzige Hommage in rosarot und die Erinnerungen an die erste große Liebe.

Nein, ich rede von Freundschaft. Und ich rede davon, wie sich Freundschaften und Freunde verändern, sich in unterschiedliche Richtungen entwickeln oder deren Erwartungen an die Freundin oder den Freund zu sehr voneinander abweichen. Dabei wären wir auch schon beim eigentlichen Dilemma – die sich ständig zu Wort meldende Erwartungshaltung. Die Erwartung, dass sich sein Gegenüber stets so verhält, wie man es selbst tut oder vielleicht auch nur zu tun glaubt. Die Erwartung, dass die Freundin oder der Freund die gleiche Definition von Freundschaft wiedergeben würde wie man selbst.

Sonntag, 20. Februar 2011

VORN ODER HINTEN



Es ist wohl das schwere Los der Frauen, sich einfach nicht entscheiden zu können. Dabei scheint es irrelevant zu sein, ob es um die Farbe des neuen Strickpullis oder die Wahl zwischen Wohnung und Haus geht. Haare kurz oder lang, Fisch oder Fleisch, Rock oder Hose, morgens oder abends, Kino oder Theater, Grillparty oder Kaffeeklatsch, 2 Kinder oder lieber gar keins, eigene Karriere oder Millionär zum Mann...

Nein, ganz so schlimm ist es ja nun auch wieder nicht. Aber wie oft habe ich mich schon über mich selbst geärgert, weil ich zu irgend einer Entscheidung nicht in der Lage war. Und wie oft habe ich mich schon gefragt, warum mir manche Entscheidung so schwer fällt. Dabei gibt es ganz offensichtlich unterschiedliche Typen von Entscheidungen.

Donnerstag, 3. Februar 2011

UNTAUGLICHER BABY-FUHRPARK



Manchmal bin ich ganz beschämt über die Luxus-Problemchen, über die ich mich hin und wieder ärgere. So befinde ich mich in der komfortablen Situation, zwischen 2 Autos, einem Kinderwagen, einem Maxi-Cosi mit Maxi Taxi und einem Tragetuch wählen zu können, wenn ich mit meiner Tochter das Haus verlasse.

Das Tragetuch schien mir in den ersten Wochen, vielleicht bis zum Ende des dritten Monats die absolut genialste Idee aller Zeiten zu sein. Doch hatte ich bis dahin die Rechnung ohne meinen Sonnenschein gemacht. Selbstverständlich gibt es in den eiskalten Wintermonaten nichts Schöneres, als in ein Tuch eingewickelt ganz dicht an Mamas Körper geschmiegt durch die Gegend geschleppt zu werden. Ich hatte beide Hände frei und habe sie selbst in der Wohnung ständig so umhergetragen. Aber nun hat sie ihre Ärmchen und Beinchen entdeckt und findet nichts schlimmer, als diese fast unbeweglich in einem Tuch festgeschnürt zu bekommen. So bin ich gezwungen, mich mit ihr um den Bauch herum ohne Stillstand zu bewegen. Selbst das kurze Stehen an roten Ampeln können für so einen ungeduldigen Winzling zur Ewigkeit werden, sodass lauthals die Farbe grün eingefordert wird. So ist diese Fortbewegungsmöglichkeit momentan nur bedingt tauglich und in öffentlichen Verkehrsmitteln, wo ich selbst mich ja zum Fortbewegen nicht bewegen muss, gleich undenkbar.

Donnerstag, 20. Januar 2011

EINFACH NACH GEFÜHL

Einfach nach Gefühl hört man viele sagen, die bereits ein Baby haben. Selbst Hebammen und Krankenschwestern geben einem gern von Geburt eines Babys an diesen Rat. Wenn das so einfach wäre.

So beginnt es doch schon direkt nach der Geburt beim Thema Stillen. Wann und wie oft das Neugeborene angelegt werden soll, da scheiden sich oft die Geister. Jede Schichtschwester im Krankenhaus spricht hier andere Empfehlungen dazu aus! Bitte alle 2-3 Stunden. Nein, am Anfang bitte stündlich – auch nachts! Oder einfach, wenn das Baby Hunger hat. Und gerade letzte Aussage ist beim ersten Kind wohl am schwierigsten nachzuvollziehen. Woher zum Henker soll ich das denn wissen?! Bis zur Geburt wurde das Baby schließlich ganz automatisch in mir drin versorgt – ohne mein aktives Zutun.

Samstag, 15. Januar 2011

NUR MAMA...?!

In regelmäßigen Abständen frage ich mich, ob, wann und wie es bei mir beruflich weitergeht. Mein kleines Töchterchen, die mich ohne Zweifel mehr erfüllt als je etwas zuvor, ist noch nicht einmal 4 Monate alt.

Ich erinnere mich noch gut an den Beginn meiner Schwangerschaft. Kaum bekannt geben wurde ich überhäuft mit Fragen, Anekdoten und Geschichten über Babys, Kinder, die unwiderruflichen Veränderungen im Leben, die Verantwortung und nicht zu vergessen die ganzen Horrorgeschichten über die Geburt. Ich habe mich riesig darüber gefreut, endlich ein Baby zu bekommen. Doch spürte ich auch, dass jeder mir weiß machen wollte, dass ich ab sofort nichts weiter sein werde als schwanger! Ich fühlte mich regelrecht reduziert auf die Rolle der Austragenden. Dagegen wehrte ich mich innerlich mit Händen und Füßen und bemühte mich, durch das Hineinstürzen in Arbeit und das Unterrichten von Fitnesskursen umso mehr, das Gegenteil zu beweisen. Mein „Stück“ hielt für mich weit mehr Rollen offen, als nur die der Schwangeren. Ich war doch nach wie vor die Marketingberaterin, die Trainerin, die Dozentin, die Frau, die Hundemama, die Tochter, die Schwester, die beste Freundin usw.

Montag, 10. Januar 2011

HÖHER - SCHNELLER - WEITER

Leistungsdruck. Beschleunigung. Geld, Geld und noch mehr Geld. Noch mehr schaffen in noch weniger Zeit. Der Mensch nicht mehr als Individuum, sondern als Human Resource gesehen ...

Ich habe bereits ein erfolgreich absolviertes BWL-Studium hinter mir. Ich habe lange Zeit in der Medienbranche gearbeitet. Ich habe an einem internationalen Projekt bei einem der größten Weltkonzerne mitgearbeitet. Und ich habe mich im Rahmen meiner freiberuflichen Tätigkeit bei einem Ausbildungsunternehmen für Gesundheits- und Wellnessberufe mit den Auswirkungen dieser Schnelllebigkeit und Ausbeutung der eigenen Leistungsfähigkeit auseinandergesetzt. Ich bin Mutter geworden und habe meine Welt und meine Sichtweise auf die Dinge auf den Kopf stellen lassen. Ständige Beschleunigung, Streben nach mehr Erfolg, mehr Geld und noch weniger Leben sind mir zuwider geworden. Nichtsdestotrotz beschäftigt mich auch nach der Geburt meiner Tochter die Frage, welchen beruflichen Weg ich in einigen Wochen, spätestens jedoch Monaten einschlagen werde.

Doch noch mehr beschäftige ich mich mit der Frage, wie Kinder heutzutage die Möglichkeit haben, sich diesem Leistungsgedanken, dem Druck, dem völligen Zurückstellen der eigenen Bedürfnisse nach Entwicklung und Verwirklichung entziehen können, ohne sich dabei den Weg in die so befürchtete und verachtete soziale Unterschicht zu bahnen? In einer Zeit, wo laut den Medien Kinder entweder verwahrlosen oder einen volleren Terminkalender haben, als deren Eltern mit Mitte zwanzig, scheinen die ganzen Möglichkeiten dazwischen zu fehlen.

Mittwoch, 29. Dezember 2010

FRAU VON UND ZU

Eine der wichtigsten Fragen, die spätestens bis zur Geburt des Neuankömmlings beantwortet werden muss, ist die nach dem Namen. Ja, sofort wägen die Ersten ganz beherzt ab zwischen Chantal und Emma-Sophie. Aber diese Namensfrage meine ich überhaupt nicht! Nicht, dass es nicht schon schwer genug ist, dem Kind einen Rufnamen zu verpassen, mit dem es sich hoffentlich auch in 18 Jahren noch identifizieren kann und der nicht sofort Bildungsstand, Sozialen Status und Herkunft verrät. Zweifelsohne!

Ich dachte ja auch, dass die Namensfrage damit geklärt ist. Aber das wäre ja zu einfach. Schließlich besteht der Name ja aus Vor- und Nachnamen! Und wenn Mama und Papa nicht verheiratet sind, möchte das Standesamt bei geteilter Sorge den Nachnamen des Babys erfahren und wissen, ob ER oder SIE Namensgeber sein soll. Schön, wenn sich das aufgrund des vielleicht peinlichen Namens eines der Elternteile wie von allein klärt. Wenn der kleine Axel dann eben nicht den schwitzigen Nachnamen der Mama bekommt, mit dem er mit hoher Wahrscheinlichkeit Spot und Hohn ernten muss. Oder wenn der Vater sich mit Nachnamen Herr Ängstlich noch an die Prügeleien auf dem Schulhof erinnert und seinem Sohn doch besser den Nachnamen der Mama angedeihen lässt.


Mittwoch, 22. Dezember 2010

JA

Ja, ich meine dieses ganz bestimmte „JA“. Das „JA“, welches notwendig ist, um seiner Liebe einen unromantischen und bürokratischen Touch zu verleihen. Das „JA“, nach welchem ständig gefragt wird, nachdem man Nachwuchs plant und mit wachsendem Bauch immer lauter aus allen Mündern kommt.

Da sollte man doch meinen, im Jahre 2010 seien wir über diese altmodischen Marotten hinweg und würden uns öffnen für neue Familienkonstellationen. Es scheint ja ganz so, als könnte man nicht Mutter ohne Ring am Finger sein und Väter nur als diese akzeptiert werden, wenn sie auf allen vieren um gewisse Hände angehalten haben.

Ich war mir mit meinem Freund bisher immer einig, dass Heiraten ein „kann“ aber ganz sicher kein „muss“ ist. Da fängt es aber schon allein mit der Definition der besseren Hälfte an. Spreche ich vom Vater meiner Tochter als mein Freund, so klingt es doch ein wenig, als hätte ich mehr oder weniger spontan mit einem wild daher gelaufenen jungen Männlein ein Kind gezeugt. So als würde ich den Vater meines Kindes erst seit Kurzem kennen. Dabei steuern wir gerade mit riesen Sätzen auf unseren neunten Jahrestag hin. Sollte ich also vielleicht lieber von meinem Mann sprechen? „Mann“ gilt jedoch bei fast allen Menschen als Synonym für Ehemann. So sorgen die gesellschaftlichen Zwänge bereits bei der Nennung des geliebten Menschen für Verwirrung. Doch sollte dies kein Grund sein, die zwischenmenschliche Bindung von einem Standesbeamten für die Außenwelt klarer definieren zu lassen! Genauso wenig, wie die penetranten Nachfragen der Mitmenschen.

SCHWANGERSCHAFTSBESCHWERDEN

Schwangerschaftsbeschwerden! Ja, da sind viele Dinge, an die man sofort denkt (zumindest wenn man nicht das erste Mal schwanger ist), wenn sich die erste freudige Euphorie gelegt hat. Dabei ist das Feld breit und die Möglichkeiten, wo und wie sich der Körper verändert quasi unerschöpflich.

Nun, ich möchte auch nicht falsch verstanden werden. Es ist wunderbar schwanger zu sein – weil man einen kleinen Menschen mit ganz viel Liebe erwartet. Es gibt auch sehr viele Frauen, die sehr gern schwanger sind. Das ist wunderbar! Mir selbst würde einige Wochen reichen, um Zimmerchen einzurichten, Klamotten zu kaufen, Hebamme informieren etc. Wirklich, 40 Wochen können sehr lang werden.

Aber kommen wir auf die einzelnen „Baustellen“ des Körpers zu sprechen. Da sind die Beine, die Füße, der Bauch, die Lunge, der Rücken, die Brüste, Zahnfleisch- und Nasenbluten, die Haut, fettige Haare (manchmal werde sie auch nicht fettig sonder fallen aus...) und natürlich ganz weit vorn die Stimmungen und der ständige Harndrang. Aber das sind Gott sein Dank nur die kleinen Wehwehchen, die zwar unangenehm, aber nicht weiter gefährlich sind und meist nach der Schwangerschaft sofort wieder verschwinden. 

SCHMELZENDE DISTANZ

Mit dem Gründen einer Familie ergeben sich nicht nur für die werdenden Eltern Veränderungen. Alle sie umgebenden Familienmitglieder, Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen müssen Mama und Papa in spe neu einordnen - neuen Rollen zuordnen. Dabei hört man immer mal wieder, dass sich einige Menschen ganz dezent und unauffällig abwenden, andere dafür näher rücken. Und das beginnt nicht immer erst mit unendlich und niemals enden wollenden Gesprächen der frischgebackenen Mutter über die Konsistenz von Pupu oder Geschichten über Milchstau, Brustentzündungen und wundgebissenen Brustwarzen. Manch Veränderung im Verhalten unserer lieben Mitmenschen tritt bereits unausweichlich mit der Verkündung der Schwangerschaft auf.

Gehört man wie ich zu der Sorte Mensch, der aufgrund schwächlich ausgeprägter Small-Talk-Begabung für einige Menschen im Umfeld eher unnahbar wirkte, oder ohne Bezug zum eigenen Dasein zu sein schien, ist man mit Beginn der Schwangerschaft ganz erschrocken über die plötzliche Gesprächigkeit seines Umfeldes. Konnte man bis dahin ganz unscheinbar an allen vorbei gehen und gerade ein „Hallo“ im Vorbeigehen murmeln, wurde man ab da an oftmals gebremst und mit Fragen nach dem eigenen und Babys Befinden gelöchert. Selbst beim kurzen Antworten ließen es sich diese Leute meist nicht nehmen, ungefragt mit eigenen Anekdoten rund um Schwangerschaft und vor allem Geburt zu behelligen. Das so entstehende Kopfkino weckte dann des Öfteren in mir den sofortigen Wunsch, jeglichen Kontakt wie zuvor auf ein Minimum zu beschränken.

DIE ROLLE DES VATERS AUS SICHT DER MUTTER

„Männer kriegen keine Kinder,
Männer kriegen dünnes Haar,
Männer sind auch Menschen,
Männer sind etwas sonderbar,
ohh Männer sind so verletzlich,
Männer sind auf dieser Welt einfach unersetzlich“ (H. Grönemeyer; Männer)

Bereits vor 26 Jahren klärte Herbert Grönemeyer mittels seines Hits „Männer“ darüber auf, dass Männer keine Kinder bekommen und zu einer „sonderbaren“ Gattung Mensch gehören. Was Grönemeyer offen ließ, ist die Frage, ob Männer ob der Tatsache, dass sie keine Kinder bekommen so verletzliche sind. Fast könnte man zu dieser Überzeugung kommen, um sich einige Entwicklungen in den letzten Jahren zu erklären.

Mittlerweile gibt es kaum mehr Hebammenpraxen oder Geburtskliniken, die keine speziellen Kurse auch für die werdenden Väter anbieten. Das völlige Einbinden des Vaters in den Prozess der Schwangerschaft und den Akt der Geburt beginnt in den meisten Fällen ja schon damit, dass einem der euphorische werdende Vater mit einem verschmitzten Grinsen und den Worten „Wir sind schwanger“ in die sich verändernde Familiensituation einweiht.

LUXUS KAISERSCHNITT


Ja, ich wählte den “leichteren” Weg. Ich entsagte der natürlichen Geburt und rechtfertigte mich wochenlang für diese Entscheidung. In allen möglichen Foren und Internetportalen, Ratgebern zum Thema Schwangerschaft und bei Informationsveranstaltungen in Krankenhäusern hört und liest man, dass die Zahl der Kaiserschnitte steigt. Waren es vor einigen Jahren noch unter 20 Prozent aller Geburten, so wählt zurzeit etwa jede dritte Frau diesen Weg.

Allerdings frage ich mich, welche Krankenhäuser diese Frauen mit Ihrem Wunsch behelligen und tatsächlich wählen können. Ich war in drei unterschiedlichen Krankenhäusern in Berlin zur Informationsveranstaltung. In zwei Geburtsstationen ergab ich mich den sehr detaillierten Schilderungen im Geburts-Vorgespräch, nach denen ich jeweils beschloss, dass das Baby in mir wohnen bleiben darf. In jedem einzelnen Haus hatte ich das Gefühl, man möchte mich trotz Beckenendlage meiner Tochter zu einer natürlichen Geburt bewegen. Ja, es würde wohl etwas länger dauern als bei kopfstehenden Babys. Es könnte auch etwas schmerzhafter sein. Doch hätte man in der Vergangenheit gute Erfahrungen damit gemacht. Großartig. Definiere gute Erfahrungen!